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Wie viel Pflanzenschutz braucht der Mais?

Mais – wenig chemischer Pflanzenschutz nötig

Mais weist im Vergleich aller wichtigen Ackerbaukulturen die geringste Pflanzenschutzintensität auf. Neben der Beizung des Saatguts gegen Schadinsekten und pilzliche Schaderreger reicht eine 1-2malige Behandlung gegen Unkräuter und Gräser. In der Regel erfolgt keine weitere Pflanzenschutzmittelbehandlung. Auf nur einem geringen Anteil der Maisfläche werden bei besonders hohem Auftreten des Maiszünslers, einem bedeutenden Maisschädling, zusätzlich Insektizide eingesetzt. Die geringe Pflanzenschutzintensität bei Mais zeigt sich besonders deutlich im Vergleich. Während Mais einen Behandlungsindex von 1,9 aufweist, liegt dieser im Winterweizen bei 5,2 und in Kartoffeln bei 12,2. Besonders erstaunlich ist der Vergleich mit dem Tafelapfel, dessen Behandlungsindex bei 32,6 liegt.

JKI (2012) Statistische Erhebungen zur Anwendung von Pflanzenschutzmitteln in der Praxis (PAPA) 

Mais leidet bei Unkrautkonkurrenz

Mais ist sehr wärmebedürftig und zeigt insbesondere im Frühjahr bei niedrigen Temperaturen ein zögerliches Wachstum. In dieser Zeit muss er vor Unkrautkonkurrenz um Licht, Wasser und Nährstoffe geschützt werden. Oftmals stehen auf einem Quadratmeter 8-10 Maispflanzen in Konkurrenz mit mehreren Hundert Unkrautpflanzen. Mit einer einmaligen Herbizidbehandlung kann auf den meisten landwirtschaftlichen Betrieben die Unkrautkonkurrenz bis zum Reihenschluss des Maises ausgeschaltet werden. Anschließend wächst der Mais den Unkräutern davon.

Gefährliche Schädlinge auf dem Vormarsch

Mit Sorge sehen die Maiserzeuger die Zunahme von Schädlingen im Mais. Wichtigster Schädling ist der Maiszünsler, ein unscheinbarer grau-brauner Falter. Schädlich sind die Larven des Falters. Sie bohren sich in den Stängel der noch jungen Maispflanze, der Stängel wird ausgehöhlt und knickt ab. Bei starkem Befall sind Ertragsverluste bis zu 50 Prozent möglich. Der Zünsler sorgt jedoch nicht nur für Ernteeinbußen. Seine Fraßspuren sind auch Einfallstore für Pilzsporen von Schimmelpilzen - darunter auch solche, die extrem giftige Stoffwechselprodukte (Mykotoxine) bilden.

BMBF (2011) Ein raffinierter Schädling 

 

Ein weiterer gefürchteter Schädling, der Maiswurzelbohrer, ist seit 2007 in Deutschland auf dem Vormarsch. Ursprünglich aus den USA eingeschleppt, breitet er sich seit Anfang der 90er-Jahre von Osteuropa nach Westen aus und tritt bereits in größerem Umfang in Bayern und in Südbaden auf. Die Larven des fünf bis acht Millimeter großen Blattkäfers fressen an den Wurzeln der Maispflanze, die an Standfestigkeit verliert und umknickt. Die Käfer fressen an den Narbenfäden und beeinträchtigen dadurch die Befruchtung.

DMK (2013) Westlicher Maiswurzelbohrer


In Mais etabliert: die biologische Schädlingsbekämpfung

Der Maiszünsler wird seit über 30 Jahren erfolgreich biologisch bekämpft. Vor allem in Süddeutschland hat sich die biologische Maiszünslerbekämpfung mit Schlupfwespen (Trichogramma) bewährt. Mit hunderten Trichogramma-Eiern bestückte Kärtchen oder Kugeln werden zwei- bis dreimal von Hand oder auch maschinell im Feld ausgebracht. Die schlüpfenden Trichogramma parasitieren anschließend die Eigelege des Zünslers. Die mit Trichogramma behandelte Fläche betrug 2013 etwa 27.000 Hektar. Die Methode ist arbeits- und kostenintensiv und erfolgt deshalb vor allem bei Saat-, Süß- und Körnermais, weniger bei Silomais und Mais zur Biogaserzeugung.
Auch die Bekämpfung der Larven des Maiswurzelbohrers wird in Zukunft über den Einsatz von Nematoden biologisch möglich sein. Diese parasitieren die Larven des Maiswurzelbohrers, sodass diese anschließend absterben.

Auf der Suche nach der besten Lösung

Zur Bekämpfung des Maiszünslers kommen in der Praxis neben der biologischen Bekämpfung weitere Maßnahmen zum Einsatz. Befallsvermindernd wirken eine weite Fruchtfolge, also der Fruchtwechsel von Mais mit anderen Kulturarten, die chemische Kontrolle und das Zerkleinern und Unterpflügen der Maisstoppel. Wirksamkeit und Kosten der jeweiligen Maßnahme sind wichtige Kriterien, wenn bei hohem Befallsdruck des Schädlings gehandelt werden muss. Welche Maßnahme letztendlich stattfindet, entscheidet der Landwirt nach Abwägung. Das exakte Zerkleinern und Unterpflügen der Maisstoppeln ist eine sehr effektive Maßnahme, um die Larven in den Stoppeln abzutöten. Pflügen fördert jedoch die Bodenerosion und verbraucht Wasser und Treibstoff. Insektizide wirken nur gegen die Falter und nicht gegen die schädlichen Larven, die sich im Stängel befinden. Auch die konventionelle Pflanzenzüchtung kann derzeit keinen großen Beitrag zum Schutz vor diesen Schädlingen leisten. Dazu sind die natürlichen Resistenzen auf zu niedrigem Niveau. Gentechnisch veränderte Maissorten, die insbesondere in den USA großflächig angebaut werden, wären eine wirkungsvolle Lösung. Für diese fehlt am Standort Deutschland jedoch die gesellschaftliche Akzeptanz. Der Anbau von gv-Mais in den USA beläuft sich auf 33 Millionen Hektar (2015) und in Spanien auf 120.000 Hektar (2015).

BMBF (2012) Biosicherheit

 

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